Keine Hoffnung mehr auf Medaillen, aber die Erfahrung zählt

Einen Tag vor Ende der Regatta der XXX. Olympischen Spiele haben sich die 470er-Seglerinnen Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher einen Platz im Medaillenrennen der besten zehn Frauen-Crews gesichert. Nach den gelungenen Wettfahrten sieben und acht lief es aber kurz vor dem Finale nicht ganz optimal für die Seglerinnen vom Verein Seglerhaus am Wannsee und dem Norddeutschen Regatta Verein. Mit den Rängen 14 und elf konnte sich das Duo keine Medaillenchance mehr erkämpfen.

Ein Frühstart in Wettfahrt neun verhinderte ein deutlich besseres Ergebnis. „Wir wollten und mussten angreifen. Das birgt natürlich immer die Gefahr eines Frühstarts. Wir sind nach dem Einzelrückruf sofort umgekehrt und waren auch gemeint“, sagte Kathrin Kadelbach. Vorschoterin Friederike Belcher berichtete weiter: „Da war heute einfach zuviel Verkehr auf dem Kurs, an dem wir nicht vorbeikamen. Einige Crews, die schon aus den Medaillenrängen raus waren, sind sehr aggressiv zur Sache gegangen.“

Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher starten als Achte in das Medaillenfinale der 470er-Frauen am Freitag ab 14 Uhr deutscher Zeit. Ihre Zwischenbilanz beim Olympia-Debut fiel vor dem letzten Einsatz auf dem Publikumskurs „The Nothe“ positiv aus. Friederike Belcher sagte: „Es war eine super Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte.“ Kathrin Kadelbach erinnert noch einmal an die Herzschlag-Finalläufe der Surfer Moana Delle und Toni Wilhelm: „Wir sind sehr stolz auf sie und hätten ihnen die Medaillen so sehr gegönnt. Mit ihrem Trainer Pierre Loquet waren die drei eine super Bereicherung für unsere Mannschaft. Wir hatten alle gemeinsam hier eine tolle Zeit und sind als Team jeden Tag mehr zusammen gewachsen.“

Die Frage nach der Fortsetzung ihrer olympischen Karriere wollen beide Sportlerinnen erst mit Abstand zu den Erlebnissen für sich beantworten. Ein wenig wehmütig sagte Kadelbach aber: „Wenn man einmal bei Olympischen Spielen war, juckt es einen schon ein wenig in den Fingern, dass man auch einmal mit einer Medaille nach Hause gehen will.“

An ihrem Ruhetag werden die 470er-Seglerinnen Friederike Belchers Ehemann Mathew Belcher die Daumen drücken, der am Donnerstag mit Malcolm Page für Australien um Gold segelt, aber nur mit vier Punkten Vorsprung vor den britischen Verfolgern Luke Patience und Stuart Bithill in das Finale der besten zehn 470er-Crews startet. Tausenden Fans am Ufer wird erneut ein Segel-Krimi geboten. Das Medaillenrennen der Männer beginnt um 14 Uhr deutscher Zeit. Ferdinand Gerz und Patrick Follmann vom Deutschen Touring Yacht Club hatten als jüngste deutsche Segel-Crew ihre Olympia-Premiere zuvor als 13. im Feld von 24 Booten beendet.

Die Segler der Deutschen Olympiamannschaft werden zwar ohne Medaillen heimkehren, können das aber als eine der jüngsten Mannschaften aller Zeiten erhobenen Hauptes tun. „Wir haben zwar die angestrebten Medaillen nicht holen können“, sagte Nadine Stegenwalner, Deputy Chef de Mission der deutschen Segler in Weymouth, „doch wenn man sich ganz genau ansieht, was diese jungen Seglern erreicht haben, dann können wir stolz auf sie sein. Wir freuen uns jetzt noch auf das Medaillenfinale der Frauen mit Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher. Danach wird es wichtig sein, die Augen nach vorne zu richten, damit wir in vier Jahren alle nur mögliche olympische Erfahrung an Bord haben.“


Veröffentlicht: 10. August 2012

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