Wechselspiele bei der Kieler Woche

Die instabilen Windverhältnisse machten es am Montag nötig, die schmalen Windfelder auf der Kieler Außenförde im steten Wechsel der Klassen zu nutzen. Doch alle Mühe nutzte wenig, denn in den olympischen Disziplinen gelang auch am Montag nur ein spärliches Programm bei den 49ern, 2.4mR und im Match-Race. Immerhin bei den Jachten konnten alle Klassen segeln. Somit durfte Seebahn-Chef Eckhard von der Mosel neben einem Rennen für alle sechs Einheitsklassen auch die erste Wettfahrt für die Deutsche Seesegel-Meisterschaft in den drei Vermessungsklassen (ORC) verbuchen.

Unter großem Druck stand am dritten Tag der Olympia-Disziplinen die einzige deutsche Crew beim Match-Race der Damen. Nachdem Silke Hahlbrock (Hamburg) mit ihrer Mannschaft am Sonnabend und Sonntag die direkte Qualifikation für das Viertelfinale verpasst hatte, musste sie sich durch den Hoffnungslauf quälen. Zusätzliche Herausforderung für die Europameisterin des vergangenen Jahres: Sie musste mit ständig wechselnder Crew segeln. Am ersten Tag war ihre Schwester und Vorschoterin Maren Hahlbrock über Bord gegangen und hatte sich verkühlt, so dass am Sonntag Ex-Crewmitglied Marion Rommel einsprang. „Das hat auch tadellos geklappt. Marion hat sogar eine Windkante gut erkannt, die uns schließlich den Sieg zum Erreichen des Hoffnungslaufes gesichert hat”, berichtete Silke Hahlbrock. Am Montag war Marion Rommel aber verhindert, daher übernahm Maren Hahlbrock nach einem fiebrigen Tag Pause wieder die Position. Trotz dieser Wechselspiele schaffte das Team in drei Rennen des Hoffnungslaufes zwei Siege und wahrte sich damit die Chance, noch ins Viertelfinale einziehen zu können. „Wir sind mit unserer Performance eigentlich ganz zufrieden. Die Bedingungen sind allerdings etwas schwierig gewesen, und wir waren nicht immer ganz glücklich bei unseren Entscheidungen”, so Steuerfrau Hahlbrock, die für die beiden verbleibenden zwei Rennen im Hoffnungslauf eine Kampfansage machte: „Wir lassen uns auf keine Rechenspiele ein und wollen beide Rennen gewinnen.”

Paralympics-Sieger in der 2.4mR, Heiko Kröger aus Hamburg, hat sich in seiner Klasse inzwischen in eine beste Ausgangsposition geschoben, um seinen Titel vor Kiel noch verteidigen zu können. Als Gesamtzweiter hat er nach neun Rennen nur noch Megan Pascoe (Großbritannien) vor sich. „Damit bin ich sehr zufrieden, denn nach Qingdao haben die anderen Nationen ordentlich nachgelegt. Die Engländer und Holländer agieren fast schon profimäßig und bringen gleich zwei, drei Topsegler auf die Bahn”, sagte Kröger, der selbst mit einem spartanischen Trainingsprogramm auskommen muss. Denn als Mitorganisator des Audi Sailing-Team-Germany hatte er vor der Kieler Woche noch bis in die Nacht diverse Aufgaben zu erledigen. „Das erklärt die kräftigen Augenringe”, so Kröger.

Bei den deutschen 49ern halten derzeit nur die Vorjahressieger Lennart Briesenick-Pudenz/Morten Massmann (Flensburg) Kurs auf das Medaillenrennen. Mit einem 24. Rang und einem Tagessieg halten sie Platz zehn, während Julian Ramm/Oliver Lewin (Kiel) auf Platz 13 abrutschten. Ganz vorn liegt weiterhin der Brite Chris Draper.

Auf der Seebahn gelang für die Einheitsklassen in allen sechs Disziplinen ein Rennen. Nils Heyde (Kiel) bei den J80 und Michael Schulz (Gelting) bei den X99 sorgen hier für deutsche Führungen. In der stark besetzten Melges-Klasse ist Oliver Schwall (Hamburg) in der Rolle des ersten Verfolgers von Andrea Rachelli (Italien). „Die Einrichtung der eigenen Bahn für die Einheitsklassen war eine sehr gute Idee. Das Feld in der Melges ist sehr international, da sich einige Crews hier auf die WM in Tallinn vorbereiten”, sagte Schwall, der in den kommenden Jahren noch mehr Vertreter seiner Klasse auf die Bahn bringen möchte.

Einen schwierigen Start hatten die Teilnehmer der deutschen Seesegel-Meisterschaft. Nachdem auf der angestammten Bahn Alpha gar kein Wind aufkam, wechselte die gesamte Flotte der 57 Boote einmal quer über die Förde und segelte auf einem schmalen Windfeld vor Wendtorf ein Rennen. Dort setzten sich die „Westwind” von Peter Süselbeck (Kiel) in der ORC I, die „Hochwürden” mit Philipp Rotermund (Hamburg) in der ORC II und die „Sisqua” von Armin Balser (Frankfurt) in der ORC III an die Spitze der Felder. Bei den großen Yachten (ORC I) liegt das neue Projekt „Veolia” von Torsten Bastiansen (Flensburg) auf Rang fünf. Die Crew trat unter verschärften Bedingungen an, segelte bis Sonntag noch bei der X35-EM in Holland und kam spät in der Nacht in Kiel an, um dort auf die IMX40 zu steigen. „Zum Glück war es am Morgen noch etwas flau, so konnten wir auf dem Boot noch etwas ausruhen. Das Rennen war nicht einfach. Es gab viele Verschiebungen. Mit Platz fünf haben wir für die Meisterschaft zumindest nichts kaputt gemacht. Das Ziel eines Podiumsplatzes bleibt damit möglich”, sagte Bastiansen.

Die Segler werden sich wohl auch am Dienstag auf schwierige Bedingungen einstellen müssen, so dass Wettfahrtleiter Jobst Richter alle Register der Improvisationskunst ziehen muss, um die schmalen Windfelder nutzen zu können.

Seebahn n-Lasse- Kloetzing.JPG


Veröffentlicht: 22. Juni 2010

PALSTEK is powered by WordPress, Theme based on branfordmagazine, inspired by D. Hoyt / Mimbo theme