HVS setzt neue Akzente
Der Hamburgische Verein Seefahrt e.V. (HVS) übernimmt am 22. Dezember 2009 sein neues Flaggschiff und setzt wieder einmal einen Akzent im Hochseesport und der Jugendförderung für Hamburg
In der Rekordbauzeit von sieben Monaten ließ der Verein in Neuseeland sein neues Flaggschiff, eine 52,3 Fuß (15,95 m) lange Hochseeyacht, bauen. Das Schiff, die 14. ‘Hamburg’ in der 107 jährigen Vereinsgeschichte, ist eine konsequente Verfolgung des Vereinszweckes, nämlich der Jugend Gelegenheit zur Erlernung und Ausübung des Segelsports zu geben. Zur Erreichung dieses Zieles wird der Verein seit 2001 von der Hamburger Sparkasse gefördert. Die sehr positive Zusammenarbeit dieser beiden „Hamburgensien“ wurde Anfang 2009 durch eine Verlängerung des Haspa-Engagements untermauert, weshalb konsequenterweise auch das neue Schiff wieder auf den Namen „Haspa Hamburg“ getauft wird.
Mit diesem ‘Milestone’ setzt der HVS nach seinem 100. Jubiläum im Jahre 2003 – damals die DaimlerChrysler North Atlantic Challenge (DCNAC) wieder einen Akzent; diesmal mit einem Neubau für die Jugendausbildung auf Hochseeyachten und das sogar mit einem absolut „latest–state-of-the-art-Design“ aus dem renommierten Designerbüro Judel/Vrolijk. „Wir wollten von vornherein ein robustes Schiff, welches für die weltweite Fahrt geeignet und kein extremer Ultraleichtbau ist, haben“, sagt der erste Vorsitzende des Vereins, Dr. Detlef Thomsen. „Uns ist damit klar, dass man bei diesem Boot in einigen Punkten zum Beispiel bei dem Rumpf in Form und Material Kompromisse eingehen musste. Sicherheit und Zuverlässigkeit beim Steuern sowie ein einfaches Handling aber auch eine lange Lebenszeit hatten genauso Vorrang bei der Planung wie die Innenaufteilung, um nicht nur auf Langreisen sondern auch im Hafen mit voller Crew unter Deck wohnen zu können. Trotzdem entstand in Wellington ein sehr schnelles und sportliches Schiff“.
Neuseeländische Bootsbaukunst hat Tradition: Top Schiffe wie zum Beispiel „Artemis“ oder „Team New Zealand“, die „Audi Q8“ (alle TP52),„Sotto Voce“ (66‘ IRC), „Ecover“ und „Avia“ (beides Open 60) und viele andere mehr geben auf den verschiedensten Regattabahnen des Globus den Ton an. Der HVS profitiert von diesem geballten Wissen. Die neue Haspa Hamburg erhält einen Carbonmast aus der neuseeländischen Mastenschmiede Hall Spars und Segel von Doyle Sails – beide ansässig in Auckland. Profimäßig ist auch die Navigation. Ganz „im Keller“, direkt unter dem Cockpitboden, laufen die Daten des Schiffes zusammen, aus denen der Navigator den optimalen Kurs bestimmen soll. „Die einen meinen, es sei eine Folterkammer, den anderen glänzen die Augen beim Anblick der modernen Navigation“, schmunzelt Christian Heermann, Mitglied der Segelgruppe und berufsbedingt begeisterter Elektroniker.
„Hakes Marine, die Bauwerft in Wellington, hat einen super Job gemacht“, stellt der stellvertretende Vorsitzende Henning Rocholl, der in diesen Tagen die Abnahme vor Ort begleiten wird, fest. „Die kommenden Tage werden zwar erst endgültig zeigen, ob auch alles funktioniert. Aber das, was ich in den wenigen Tagen, die ich jetzt hier bin, gesehen habe, machen mich schon ein bisschen stolz darauf, was wir mit vereinten Kräften geschaffen haben. Die nächsten Tage bis zur vollständigen Abnahme wird Paul Hakes mit uns diverse „Sea Trials“ vornehmen – ich bin sehr gespannt. Heute ist das Schiff erstmalig mit seinem künftigen Element in Berührung gekommen“. Der „Stapellauf“ fand in Gegenwart von Frau Susanne Gentejohann von der Deutschen Botschaft ganz unspektakulär mit einem Kran statt, nicht jedoch ohne zuvor eine Segnung durch den Maori Priester Takaria Smith erhalten zu haben.
Jedes Schiff des Vereins hat traditionell einen Inspektor, meist junge Leute aus der Segelgruppe Störtebeker, dem aktiven Teil des HVS. Dieses Mal wird es richtig jung: Nach dem Motto, „Jugend voran“, übernimmt Johan Wilckens mit 20 Jahren für den HVS die technische Verantwortung über das Schiff. Ein Grund genug für ihn bereits seit einem Monat vor Ort zu sein und das Ende der Bauzeit in allen Schritten zu begleiten.
Unter der fachkundigen Anleitung eines echten Profis, Mike Castania, dem Projektleiter aus den USA, wird Johan in die vielen und abertausenden Details eingearbeitet. Mit den Worten, „ich wollte schon immer einmal am Heiligabend segeln gehen“, freut er sich schon auf die vereinsinternen Sea Trials vor Neuseeland, welche in der kommenden Woche beginnen.
Seit Beginn der Segelsaison 2009 liegt das Zepter der Segelgruppe Störtebeker erstmals in der Vereinsgeschichte in der Hand einer Frau: Caroline Hagenberg. Natürlich ist sie mit von der Partie, wenn die ersten Meilen hier vor Wellington gesegelt werden. „Wir fiebern der Übergabe entgegen“, meint die 27-jährige Juristin und fügt hinzu, „wir werden bestimmt viel Spaß haben, aber auch hart trainieren. 17 Vereinsmitglieder werden in den kommenden 6 Wochen in wechselnden und überlappenden Crews das Schiff hier vor Neuseeland kennenlernen. Dabei ist die Sicherheit für uns als Hochsee-Ausbildungs-Verein besonders wichtig – und die garantiert am Ende für schnelles und erfolgreiches Segeln!“.
Am 5. Februar wird die Yacht in Auckland auf einen Containerfrachter der Reederei Hamburg Süd verladen, die den Transport per „Huckepack“ nach Hamburg gestiftet hat. Einer fiebert diesem Tag besonders entgegen: Johan! „Einer muss ja das Schiff betreuen“, schmunzelt er und freut sich auf eine Seereise um die halbe Welt, um danach Anfang April den restlichen Vereinsmitgliedern „unser Baby“ zu präsentieren und für die offizielle Taufe in Hamburg vorzubereiten.
Technische Daten:
Allgemein:
LüA (incl. Bugsprit) 17,20 m (56,45′)
Rumpflänge 15,95 m (52,30′)
Wasserlinienlänge 15,00 m (49,20′)
Breite 4,80 m (15,75′)
Tiefgang 3,50 m (11,48′)
Verdrängung 12,8 t (28.220 lb)
Ballastbombe 5,4 t (11.905 lb)
Rigg:
Masthöhe (ohne Ant.) 25,23 m (82,78′)
Maximale Segelflächen:
Großsegel 97 m² (318.2 sqft)
Genua (100%) 70 m² (229.7 sqft)
Genaker 250 m² (820.2 sqft)
Veröffentlicht: 16. Dezember 2009





